3. April 2017

KLING, GLÖCKLEIN, KLINGELINGELING

 
An diesem Sonntagmorgen, als die Sonne uns die Nasenspitze küsste und unsere Seele zum jauchzen brachte, kramten wir die Kiste mit den Ostersachen hervor. Einfach mal so, um zu gucken, was da alles so drinnen liegt. Die Kinder öffneten den Karton und hoben mit glänzenden Augen und leuchtenden Herzen unsere Osterreichtümer ans Licht. 

Da war das Holzhäschen im Auto von Grami, die drei gepunkteten Stoffhasen, die mein Grosser zu seinem allerersten Osterfest von seiner Patentante geschenkt bekommen hat (statt Schokolade... hach, wie gut wir die Schokolade fürs Kind damals noch umgehen konnten... Wir haben sie einfach verschwiegen oder selber gegessen und gut war. Gute, alte Zeit!). Die Papierschmetterlinge, die seit Jahren unseren Osterstrauch schmücken, flatterten aus der Kiste, die bunten Stoffhühner vom Tausendschön und ein kleiner Weidekätzchen-Ast vom Arkonaplatz in Berlin kamen hervor. All die feinen Sachen, die wir jedes Jahr wieder an unseren Osterstrauch hängen, mit denen wir unseren Jahreszeitentisch schmücken und mit denen Ostern zum Fest wird. 
Die Kinder betrachteten alle Schätze, hielten sie in den Händen, erzählten davon und legten sie dann wieder zurück. Mit ein paar Kleinigkeiten schmückten die Kinder ihr Zimmer. Zur Vorfreude wurden am Ast mit den Weidekätzchen ein paar kleine Holzeier und ein Schmetterling aufgehängt und das Bienenwachskörbchen mit den roten Wachseiern dazu gestellt. Dann noch ein bisschen grüne Schafwolle. Fertig.
Als ich etwas später ins Kinderzimmer kam, sassen der Grosse und die Kleine ganz nah beieinander im österlich dekorierten Zimmer, hörten sich andächtig Weihnachtslieder an und waren selig. "Kling, (Oster-)Glöckchen, klingelingeling..." trällerten sie und ich stand da und dachte: wouuuww, die schaffen den Spagat ohne mit der Wimper zu zucken. Sie hatten es sehr feierlich und es war ganz ruhig, freudig und schön. Und obschon es für meinen Geschmack etwas unpassend schien, muss ich zugeben, dass diese gemeinsam erschaffene Stimmung etwas Heiliges an sich hatte. 
Auf Zehenspitzen schlich ich davon, nichts von der Stimmung wollte ich stören. 
Kinder können das. Einfach so. Wie wunderbar!


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© lieblingsbande
Maira Gall